Mehr Minuten als Euros. Und noch mehr Nerven.

Kundin: „Ich möchte Narzissen um zehn Euro.“

Ich: „Gerne.“ Ich greife zur Vase, um die Blumen herauszuzählen.

Kundin: „Und solche roten Tulpen dazu.“

Ich: „Möchten Sie Narzissen um zehn Euro und dann noch die Tulpen dazu, oder sollen die Narzissen und Tulpen zusammen zehn Euro kosten?“

Kundin: „Um zehn Euro. Die Narzissen, und rote Tulpen dazu.“

Ich: „Ja. Aber sollen die Narzissen alleine zehn Euro kosten und dann die Tulpen dazu, oder sollen die Narzissen und Tulpen gemeinsam zehn Euro kosten?“

Ich erspare euch den Rest des Gesprächs, aber ich hab noch ein paar Mal nachfragen müssen, bis das geklärt war.

Und dann, als ich die Blumen fertig herausgezählt hatte: „Und was grünes auch noch dazu.“

Ich: „… ja. Das muss ich Ihnen aber auch verrechnen.“ Also noch mal von vorne zählen, damit es dann mit Beiwerk zehn Euro ergibt…

Und dann noch: „Nein, das gefällt mir nicht. Das sieht ja aus wie Heidelbeeren!“

Ich: „Ja, weil es Heidelbeerzweige sind. Sonst kann ich ihnen nur mehr diesen Salal anbieten.“

Kundin (deutet auf einen fertigen Strauß): „Ich will aber diesen Farn.“

Ich: „Der ist leider aus. Ich hab nur mehr den Salal.“

Kundin: „Was, das da? Was ist das, Kirschlorbeer?“

Ich: „Das ist Salal.“

Kundin: „Da kann ich mir ja auch einen Kirschlorbeer im Garten abschneiden.“

Ich: „Können Sie auch. Ich weiß zwar nicht, wie gut sich der in der Vase hält, aber Sie können es natürlich tun.“

… letztendlich durfte ich dann doch den Salal verwenden. Und das ganze Ding durfte fünfzehn Euro kosten. Wie lange es gedauert hat, will ich gar nicht wissen. Und was sich die mehreren anderen Kunden, die hinter ihr gewartet haben, gedacht haben, auch nicht.

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Wo ist Professor Umbridge und ihre Feder? Ich darf nicht lügen.

(Als Hintergrund: Von Gärtnerkollegen höre ich immer wieder, dass wir sehr billig sind. Dieses Jahr haben wir einmal die Preise ein bisschen angehoben, allerdings nicht bei den Stiefmütterchen, die bei uns einen ganzen Cent mehr kosten als bei den meisten anderen.)

Kundin: „Ihr seid aber schon ganz schön teuer geworden!“

Ich: „Finden Sie? Ich höre immer wieder, dass wir sehr billig sind.“
Kundin: „Sicher seid ihr teuer! So viel für ein Stiefmütterchen, die sind heuer schon viel teurer!“

Ich (versuche verzweifelt, nicht zu lachen, weil ja genau die nicht teurer geworden sind):

„Nein, die haben schon mindestens ein Jahr diesen Preis, eher länger. Und sie kosten bei den meisten anderen das gleiche – dort sind sie aber in einem kleineren Topf, das heißt, bei uns bekommen Sie größere, schönere Pflanzen.“

Kundin: „Lüg nicht!“

… entschuldigung? Muss ich mit mir reden lassen wie ein freches Kind?

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Chefsache

Kunde: „Ist der Chef da?“

Ich: „Ja, aber ich weiß nicht, wo er ist, ich muss ihn auch suchen.“ Ich schaue in mehrere Gewächshäuser, ohne ihn zu finden.

Kunde: „Na ja, vielleicht können Sie mir ja auch helfen.“

Ich: „Wahrscheinlich schon, um was geht es denn?“

Kunde: „Welche von den Blumenerden ist denn diese Woche im Angebot?“

… dafür braucht er den Chef? Das hätte ihm selbst meine Kollegin, die erst seit drei Tagen bei uns arbeitet, sagen können.

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Was uns Narzisse heißt, wie es auch hieße…

Kunde: „Meine Frau hat mir gesagt, ich soll Narzissen kaufen, aber ich weiß nicht, was das ist.“

Kollegin: „Möchten Sie die als Schnittblumen oder im Topf?“

Kunde: „Ähh… also solche für die Erde.“

Kollegin: „Also im Topf. Das sind die da.“

Kunde: „Nein, das sind doch Märzenbecher, das weiß ja sogar ich.“

Kollegin: „Das sind zwei Namen für die gleiche Pflanze.“*

Kunde: „Sie lügen mich doch an.“ Zu einem anderen Kunden: „Was sagen Sie, sind Narzissen und Märzenbecher die gleiche Pflanze?“

Anderer Kunde: „Nein. Also, eigentlich weiß ich es auch nicht.“

Der Kunde hat dann seine Frau angerufen, um die zu fragen, ob das wirklich das gleiche ist und die Kollegin war sehr begeistert, dass die Meinung eines anderen Kunden mehr zählt als ihr Fachwissen.

*Für die Nicht-Österreicher: In Deutschland bezeichnet „Märzenbecher“ anscheinend die Frühlingsknotenblume (Leucojum vernum).

SpringSnowflake.jpg
Von IKAlEigenes Werk, CC BY 2.5, Link

In Österreich meint man damit aber die Narzisse (Narcissus pseudonarcissus und andere Narcissus-Arten.)

Yellow daffodils - floriade canberra.jpg
Von John O’NeillSelbst fotografiert, CC BY-SA 3.0, Link

Deswegen verwenden wir Gärtner gern die botanischen/lateinischen Namen der Pflanzen.

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Selbst ist die Frau. Oder auch nicht.

Nachdem ich schon die ganze Woche Erdsäcke in Autos geladen und in die Topfmaschine gefüllt habe:

Kundin: „Das ist schon blöd, dass Sie nur die großen Säcke Blumenerde im Angebot haben. Die kann ich nicht brauchen, wie soll ich die denn zuhause ausladen? Ich kann die nicht heben, ich bin ja eine Frau.“

Ich: „Äh, ja? Bin ich auch?“

… und nicht mal eine besonders große oder kräftige.

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Aus dem Winterschlaf erwacht…

… sind die Blumen, die Gärtner, die lästigen Kunden, und hoffentlich auch ich.

Zumindest für die nächste Woche hab ich ein paar Geschichten für euch.

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Ein ernstes Wort

Dieser Blog existiert, um euch zum Lachen zu bringen. (Ich weiß, ich hab in letzter Zeit nicht viel geschrieben. Viele Gründe, auf die ich hier nicht eingehen will. Ich kann nicht versprechen, dass es besser wird.) Aber heute ist mir nicht nach Lachen zumute. Heute muss ich einmal ernst sein.

Es gibt eine Sache, die ich aus vollstem Herzen glaube und über die ich mit keinem debattieren werde.

Jeder Mensch ist gleich viel wert. Egal welche Herkunft, Hautfarbe, Sprache, Religion, egal welches Geschlecht, egal welche sexuelle Orientierung, egal welche Behinderungen er oder sie hat, egal wie arm oder reich, egal wie gebildet oder ungebildet, egal wie schön oder hässlich, egal wie dick oder dünn, egal wie gesund oder krank, egal wie jung oder alt, egal welche politischen Ansichten er oder sie hat.

Mit dem letzten Punkt kämpfe ich am meisten. Ja, wir wollen uns alle besser fühlen als andere. Ja, ich will mich auch besser fühlen als Leute, deren Ansichten ich verachtenswert finde.

Aber die Wahrheit ist trotzdem: Wir sind alle gleich viel wert. Wir verdienen es alle den gleichen Respekt. Wir alle verdienen die gleichen Rechte und die gleiche Höflichkeit. Wir alle verdienen Freiheit und Sicherheit und ein gutes Leben.

Aber wir verdienen dieses gute Leben nicht auf Kosten anderer Menschen.

Jeder Mensch ist gleich viel wert.

Ich möchte glauben, dass das für euch alle selbstverständlich ist.

Aber die Wahrheit ist, ich kenne die allermeisten von euch nicht. Und die allermeisten von euch kennen mich nicht.

Ich möchte, dass ihr einmal eine Minute darüber nachdenkt.

Jeder Mensch ist gleich viel wert.

Mit Blick auf die Wahl von Donald Trump, auf meine amerikanischen FreundInnen und Bekannten, die um ihre Sicherheit, ihre Gesundheit, ihr Leben fürchten. Mit Blick auf unsere eigenen Wahlen, bei denen die Rechten immer besser abschneiden. Mit Blick auf die Flüchtlings„krise“, die wir nicht dadurch lösen werden, indem wir unsere Grenzen schließen und die verzweifelten Menschen außerhalb davon ignorieren. (Eine Lösung auf Kosten anderer ist keine Lösung.) Mit Blick auf unsere Geschichte als Deutsche und Österreicher.

Jeder Mensch ist gleich viel wert.

Wenn ihr mir da nicht zustimmen könnt, dann bitte ich euch, meinen Blog zu verlassen. Ich kann euch respektieren, aber ich muss euch nicht mögen, und ich will mit euch nichts zu tun haben.

Und wenn ihr mir zustimmen könnt, möchte ich euch bitten: Helft mit, die Welt besser zu machen. Und wenn es nur mit Kleinigkeiten ist. (Ich hab auch nicht den Mut oder die Kraft für großartige Taten.) Schweigt nicht und seht nicht weg. Seid füreinander da. Für jeden Menschen.

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